24 Aug 2012

Mein Freund Max – wir waren 7 Jahre – lag abgekämpft und gequält auf einer Liege,  Entsetzen in und Ringe um die Augen. Ich starrte auf den Fingerhut-artigen Verband.  Auch mir ging es nicht gut. Und das ganze wurde noch erniedrigend durch  süffisantes Lächeln der anwesenden Erwachsenen und Kommentare wie „Ei, wie geht es den unserem Max und seinem Max?“ etwa.
„Dieser Kelch“, dachte ich damals, „ist Gott sei Dank an dir vorüber gegangen!“. Das denke ich auch heute immer noch, wenn mir Männer, die vor und nach einer Zirkumzision sexuell aktiv waren, in Interviews zu Men´s Health schildern, „nicht mehr 100% so sensibel zu fühlen wie früher“.
Richtig aufmerksam auf das Thema bin aber erst wieder dieses Jahr geworden. Ich weilte im lebensfrohen Köln auf dem Sommerfest eines Fachverlags. Auf dem Heimweg zum Bahnhof fiel mein Blick auf eine Zeitung an einem Büdchen: „Das Recht auf kindliche Unversehrtheit wiege schwerer als elterliches Erziehungsrecht und deren Recht auf Religionsfreiheit!“ stand da über das Urteil des Kölner Landgerichts vom Vortag. Das wird jetzt spannend, vermutete ich spontan! Jetzt werden „Frames“ aufeinander knallen, und meine Hypothese sollte sich bewähren.
In den folgenden Postings werde ich diese Frames beschreiben und gegeneinander stellen. Es geht nicht um die Bewertung von religiös motivierter Beschneidung. Haben Sie Ihre, ich habe meine Meinung dazu! Wahrscheinlich wird das Verfassungsgericht das letzte Wort dazu haben. Es geht um die Dynamik in der Entwicklung eines Issues, die von Stakeholdern und Teilen der Politik völlig unterschätzt wurde. Ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch – sehr bemerkenswert und aufschlussreich!

(Fortsetzung in Bälde, Ihr Dr. R. )


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