17 Jul 2015

SPD in der Kommunikationsschleife:
Warum die Wählerresonanz im Bund verhalten bleibt 

Mit großem Stolz verweist die SPD auf ihre Berliner Gestaltungserfolge. Mindestlohn, mehr Geld für Familien, Mietpreisbremse. Doch das zahlt offensichtlich wenig ein in der aktuellen Wählerzustimmung für die Partei. Die kommunikativen Bedürfnisse der Wählerinnen und Wähler werden verfehlt. Das SPD-interne Selbstverständnis von politischer Kommunikation geht an großen Teilen der Wähler vorbei.

Kommunikation erfolgt auf der Basis von Codes und SPD-interne Codes seien wenig kompatibel mit den Codes der vielfältigen Lebenswelten potenzieller SPD-Wähler. Ergebnis: die SPD-Organisation kommuniziere weitestgehend mit sich selbst. Gewissermaßen in einer Kommunikationsschleife, in einem selbstreferentiellen Loop. Zu diesem Befund kommt Dr. Walter Reimund, Kommunikationswissenschaftler und Inhaber von Reimund Research, einem Darmstädter Institut für Kommunikationsforschung und Strategieentwicklung.

Aktive Genossen und Funktionsträger seien motiviert von einem idealistischen Politikverständnis. Man versteht sich als Programmpartei, die Gutes tut für sozial Benachteiligte. Eine Partei, die nach rationalem Abwägen das Gute in die Form von umzusetzenden Programmbausteinen gießt. Politik, so kodiert, wird als abstrakt und lebensfern dekodiert bzw. entschlüsselt. Sie ist anfällig für Zweifel und Distanz.

Demgegenüber stehen Wählerinnen und Wähler aus den unterschiedlichsten Milieus. Der Arbeitnehmer aus der Automobilindustrie mit wenig Zeit und Interesse an Politik, weil ihn gerade ein Hausbau bekümmert. Die Spaß-orientierte Raverin mit kleinem Gehalt aber großen Ambitionen in der Fashion-World. Der junge Selbständige voll eingenommen von seiner Unternehmensgründung. Die BestAgerin, die endlich Zeit für sich hat, nachdem die Kinder eigene Wege gehen. Politik erscheint dem Gros dieser Menschen generell schwer greifbar, fern vom Hier und Jetzt der Alltagswelt. Mediale Hypes, Nachrichteninflation und Nachrichtendispersion intensivieren das Gefühl von Ferne und Unübersichtlichkeit. Hier liegt der Kern der gerne beklagten Politikverdrossenheit, die die SPD (im Bund) mehr als die Union zu treffen scheint.

Wie wäre Politik für das Gros der Wähler/Wählerinnen dechiffrierbar zu kodieren? Durch das Aussenden glaubhafter, authentischer Signale, die Geborgenheit, Zukunftsvorsorge und Sicherheit kommunizieren und somit Orientierung geben in unsicherer Zeit. Dies gelänge, meint Dr. Reimund, durch Kommunikation von Werten und deren Verkörperung durch Personen. Nicht durch Maßnahmen-Formeln in Parteiprogrammen. Auch nicht durch Posts in Webkonferenzen, die reizlosen und langatmigen Parteiveranstaltungen nicht minder lustlose Web-Events entgegensetzten.


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